Schuld und Verantwortung

Der Dualismus zwischen Schuld und Verantwortlichkeit bringt viele Menschen durcheinander. Wer den jungen Menschen Schuld einzureden versucht, ist genauso ein geistiger Brandstifter wie derjenige, der die Verantwortung der Deutschen dafür ablehnt, dass sich Verbrechen aus nationalistischen Motiven heraus nicht wiederholen. 
Man darf den jungen Menschen keine ewige Schuld aufladen, wohl aber die Erinnerung daran, wie schnell es geht, sich mitschuldig zu machen. 
Nun kommt der Haken: Die Unfähigkeit der politischen Akteure aller Seiten nach 1918 haben den Aufstieg Hitlers und der NSDAP erst ermöglicht. Einem Volk die ewige Knechtschaft aufzubürden, war ein Fehler, der die Weitsicht der Regelungen von 1815 (Europa war komplett unter die Herrschaft Frankreichs geraten und erst an einer russisch-preußischen Allianz gescheitert. Der Wiener Kongress hatte die Franzosen nicht gedemütigt.) komplett ignoriert hatte.

Der "Treibsand des Eigennutzes" wie der amerikanische Politiker Robert Lansing nach dem Versailler Vertrag 1919 schrieb, hatte die Möglichkeit verstellt, Schuld und Verantwortung auf alle Beteiligten zu verteilen. Ständiger Zank unter den Parteien, Abspaltungen von Gruppen unter Missachtung höherer politischer und moralischer Werte aus reiner Machtgier haben Hitler einen Nährboden bereitet, dessen Dünger auch der Demütigung eines stolzen Volkes entwachsen war. (Stolz auf die Leistungen der 100 Jahre zuvor, nachdem man sich über die europäischen Versuche hinweg gesetzt hatte, eine nationalstaatliche Einigung der Deutschen zu verhindern.)
Wir sind auf dem besten Weg, diese Fehler alle zu wiederholen. Die Mischung aus Verantwortlichkeit, Erinnerungskultur und einer gesunden patriotischen Haltung - einer Heimatliebe unter Einbeziehung von Tradition und Brauchtum - wird langsame Veränderungen ertragen - aber keine Flutwellen aufhalten, die individueller historischer Profilierungssucht zuzuschreiben sind. 
Dass sich ein System verändern kann und muss und wie gesund es dabei bleibt, ist immer eine Frage der Quantitäten. 
Gegenseitige Verunglimpfung, Hetze oder gar Gewalt werden kein einziges Problem lösen. Fakt ist aber auch, das die rosarote Brille und Wunschdenken nicht helfen. Maß halten!