Religion und Krieg

Streit um das Nichts – Wie man das Übel an der Wurzel packt

Der Krieg nimmt seinen dicken vollgefressenen Kumpel in den Arm und küsst ihn mit Inbrunst auf die Wange: „Was wäre ich ohne dich! Wie leicht ist es doch, verblendete Menschen gegeneinander aufzuhetzen und daran zu verdienen.“. Sein Kumpel lächelt verschmitzt zurück und sagt: „Danke, mein Freund, durch dich bekomme ich wieder frische Seelen. Je mehr Elend, desto mehr Seelen.“ Sie klopfen sich gegenseitig auf die Schulter und hecken aus, in welchem Land sie sich demnächst zusammentun und Beute machen. Wer ist der geheimnisvolle Freund des Krieges? Er nennt sich: Religion.

Dieses Spiel treiben sie seit tausenden von Jahren und ernähren sich gegenseitig. Während man in der Zeit vor der europäischen Aufklärung und dem Erwachen des Geistes der Wissenschaften die Gehirne der Unwissenden mit allerlei Hokuspokus vermüllen konnte, galt es in der Moderne, subtiler vorzugehen, auch wenn „Gott mit Euch“ keinem der Opfer der großen Kriege im 20. Jahrhundert je geholfen hatte.

 

Damit man die Gehirne der Menschen weiter ungehindert verpesten konnte, übernahm man selbst in die modernsten liberalsten Verfassungen der Gegenwart eine Formel, die weiterhin den Krieg ernährte: die Religions- oder Glaubensfreiheit. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn dieses Grundrecht nicht implizieren würde, für die entsprechende Religion zu werben und deren Kulte ungehindert auszuüben. Die einfache Logik macht nun deutlich, dass das nicht friedlich funktionieren kann.

Es ist eben anders, als wenn sich zwei Brauereien darum streiten, die gleiche Kneipe zu beliefern. Die Brauer werden sich zunächst bis aufs Blut bekämpfen, am Ende aber einsehen, dass sie die Beute teilen müssen und dann wird gesoffen, was jedem schmeckt. Das geht aber nur, weil eingesehen wird, dass der andere eben auch „Bier“ braut und man nicht von sich behauptet, im Besitz der alleinigen „Bier-Zauber-Formel“ zu sein. Es wird nur funktionieren, wenn der Y-Biertrinker den X-Biertrinker nicht umlegen will, weil er das falsche Bier säuft oder noch schlimmer, den Wassertrinker, weil er gar nicht säuft.

Jeder Staat würde diesen „Bierkrieg“ auf der Stelle beenden, weil der das Gemeinwohl, die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden würde. Kein Staat würde es zulassen, dass in den Schulen Werbung für Biersorten der einen oder anderen Firma gemacht werden darf.

Es widerstrebt mir, das Bild dieses Wahnsinns weiter zu zeichnen.

Was tun? Muss man die Religionsfreiheit abschaffen? Religionen verbieten oder sie „verteufeln“?  Nein. Weder noch.

Das Einzige, was zu tun ist, ist den Religionen den Platz zuzuweisen, der ihnen zusteht: das Private -  die Gemeinschaft von Privatpersonen, die ihren Kult in ihren privaten Räumen ungehindert ausüben können sollen. Dort kollidiert nichts mit anderen Religionen, man braucht nicht einmal Toleranz und kann ungehindert behaupten, dass der eigene Gott der einzig wahre sei. Damit muss aber vollends Schluss sein, wenn man wieder in der Öffentlichkeit ist. Wenn man möchte, dass die Abzeichen der „Gang“ in der Öffentlichkeit getragen werden dürfen, muss öffentlich und sichtbar erklären: „Mein Gott ist der einzig wahre – deiner aber auch.“ Dann wäre alles cool und man würden den Menschen nicht mehr auf die Nerven gehen. Ja, ich meine Nerven – das „Gebimmel“ in Süddeutschland am Sonntagmorgen nervt genauso wie einer, der vom Minarett krakeelt. Es nervt.

Man muss weder eine Kirche, Synagoge noch eine Moschee dicht machen. Man muss niemanden dafür doof angucken, wenn er da hin geht. Aber, liebe Gläubige – kann man das „Gehabe“ nicht auf die Gotteshäuser und das eigene Heim beschränken? Schon wäre Frieden.

Tut mir leid, Krieg. Aber sei getröstet, du hast ja noch deine anderen Kumpels – Neid und Habgier. Du wirst nicht zu kurz kommen. Damit sich Letztere entfalten können, haben die Menschen den Kapitalismus entdeckt. Aber das ist ein anderes Thema. Oder dient die Religion in der Moderne nur dazu, mit den Auswirkungen des Kapitalismus klar zu kommen?