Der Abtrünnige

Kurzfassung

Der erste Friedensplan für den Nahen Osten seit hunderten von Jahren könnte Wirklichkeit werden, wenn es der deutschen Kanzlerin gelänge, alle relevanten Mächte in Berlin zu einer Unterschrift zu bringen. Die Chancen dazu stehen gut wie niemals in der Geschichte zu vor. 

Eine Organisation (DOO), die sich die Beibehaltung des Status quo der Weltmächte von 1944 auf die Fahnen geschrieben hat, versucht den Erfolg des Gipfeltreffens zu verhindern, indem sie ein Attentat auf die Kanzlerin plant.

Leon Harber, ein weltweit gesuchter Killer, wird nach Berlin gebracht, um den Anschlag auszuführen. Ob es den Ermitteln gelingt, die Kanzlerin zu retten und selbst nicht zwischen die Fronten aus politischen Intrigen zu geraten, erzählt dieser Thriller.

Dieses Buch ist die Fortsetzung des Thrillers „Sternenkind“, in welchem der Berliner LKA-Polizist Mich Schimansky ermittelt. Da der Fall politische Dimensionen hat, werden andere Sicherheitsbehörden hinzugezogen, auch, weil sich die Spur der DOO offenbar nur im Cyberspace finden lässt. Das diese Organisation aus selbstständig operierenden Einheiten besteht, scheint eine Koordination aller berufender Staaten nötig. Vielleicht hilft nur ein Abtrünniger, diesen Fall zu lösen.

Der Autor hat Geschichte und Sportwissenschaft studiert. Sein zweites Buch ist viel politischer als der erste Teil der Geschichte. 

Dieser Thriller beschreibt reale Orte, Organisationen, Behörden und benutzt Namen von Personen der Zeitgeschichte. Der politische Rahmen der Geschichte entspringt zum großen Teil der Realität, das Handeln konkreter Personen ist jedoch ausschließlich der Phantasie des Autors entsprungen und es bleibt den Lesern überlassen, ob dies Schnittstellen mit der Wirklichkeit hat.

 

Prolog

Die Welt war in der Zeit seit 2006 keinesfalls friedlicher geworden. Insofern schien innerhalb der Dumbarton-Oaks-Organisation (DOO) eine gewisse Unbekümmertheit vorzuherrschen. Die Organisation hatte sich 1944 am Rande der Gründung der Vereinten Nationen zusammengefunden und seither über sechzig Jahre dafür gesorgt, dass das Kräftegleichgewicht zwischen den Großmächten USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich stabil blieb. Immer, wenn eine Verschiebung des Gleichgewichts zu drohen schien, griff die DOO ein. Kein politischer Mord, keine finanzielle Transaktion, keine Hilfslieferung und keine Verweigerung einer solchen blieb ohne Kalkül der Organisation, die inzwischen ein Netz unabhängiger Zellen unterhielt und doch keinen Kopf hatte. Gerade die Selbstständigkeit der Zellen, deren sternförmiges Organigramm ein Überleben der Gesamtorganisation garantierten, war der entscheidende Pluspunkt, um sich der Verfolgung durch Behörden verschiedenster Länder zu entziehen. Die DOO unterhielt unabhängig von einander eine Armee verschieden ausgebildeter Söldner, die dann tätig wurden, wenn das internationale Gleichgewicht zu kippen drohte. Vom Computerspezialisten, der ganze Wirtschaftszweige für gewisse Zeit lahmlegen konnte, wenn es nötig war, über Börsenprofis, Klimaforscher und Ärzte bis hin zum Auftragskiller waren Personen an die DOO gebunden worden, deren eigenes Schicksal davon abhing, wie sehr sie sich für die Organisation engagierten. Für Menschen, die aus einer wie auch immer gearteten Sünde heraus, der Strafverfolgung einzelner Länder unterlagen, breitete man ein kaum auszuschlagendes Angebot aus. 

So blieb bestehen, dass die DOO Einfluss auf die Geschicke der Welt behielt und kleinere Korrekturen vornehmen konnte. 

Nachdem es ohne weiteres gelungen war, die schier übermächtigen Vereinigten Staaten in einem jahrelangen Krieg gegen den Terror zu binden und so für eine ganze Weile wirtschaftlich zu schwächen, mussten nunmehr auch die Emporkömmlinge auf der Bühne der Großen Acht in die Schranken gewiesen werden. Während die Wirtschaft der USA unter den Anstrengungen des Krieges ächzte, kam es darauf an, die Macht der anderen Staaten nicht ausufern zu lassen. Welche Gelegenheit bot sich besser, als eine hausgemachte Immobilienkrise in den USA weltweit wirken zu lassen und so auch einer rohstoffunabhängigen Macht wie Russland die Grenzen zu zeigen. Wie einfach es war, ganze nationale Kreditsysteme ins Wanken zu bringen, zeigte sich beim Zusammenbruch der Bank Lehman Brothers. Ein Mitarbeiter in der deutschen Finanzaufsicht, der trotz drohender Pleite noch Millionenbeträge überwies und somit verbrannte, reichte, um eine öffentliche Hysterie ins Rollen zu bringen, die alles noch schlimmer machte, als es war. Das Misstrauen der Finanzjongleure untereinander wuchs derart, dass kaum ein großes Finanzunternehmen ohne massive Eingriffe der Staaten auskam. Die Medien waren monatelang durch eine eigens aufgebauschte Pandemiewarnung der WHO zur Schweinegrippe vom Recherchieren abgehalten worden, als die Finanzkrise viele Bürger aus dem Nichts traf. Auch dem „Messias“, dem neuen Präsidenten der USA, dem man 2009 nach einigen beeindruckenden Reden vor der Weltöffentlichkeit höchste Anerkennung zollte und somit gehörigen Handlungs- und Erfolgsdruck verschaffte, war nicht bekannt, welches gewaltige Ablenkungsmanöver die DOO vorbereitet hatte, um den bisher größten Coup ihrer Geschichte zu landen. Einem handlungsfordernden amerikanischen Präsidenten musste eine Phalanx von Bündnispartnern an die Seite gestellt werden, deren innere Konfliktherde so am köcheln gehalten wurden, dass außenpolitisch wenig heraus kam. Ob ein vom russischen Regierungschef und Ex-Präsidenten Pawlow gesteuerter Präsident Malenkow, eine deutsche Kanzlerin, deren ums politische Überleben kämpfende Koalitionspartner permanenten innenpolitischen Ärger machte, ein französischer Staatspräsident, dessen Gattin einer Marie Antoinette zu gleichen schein, ein zu selbstbewusster polnischer Staatspräsident, der einem Flugzeugabsturz zum Opfer fiel oder ein China, das erst einmal die Olympischen Spiele und so den Einfluss der Weltöffentlichkeit sowie den Empfang des Dalai Lama in Berlin und Washington zu verdauen hatte - alle hatten zu wenig Zeit, sich um den Dauerbrandherd der Welt zu kümmern, von dessen Lösung auch das Schicksal der Beziehungen der Christenheit zum Islam abhängig sein würde: Israel und Palästina.

Die Medien waren gefüllt von Birma, Pakistan, Afghanistan, dem Weltklima, der Wirtschaftskrise, Waldbränden, der Fußball-Welt- und Europameisterschaften - und nur selten wurde der Fokus wieder sehr auf den Palästinakonflikt gelenkt, als Israel beschlossen hatte, ein internationales Hilfsschiff mit Gewalt an der Weiterreise nach Gaza zu hindern, oder als es die Tunnel in Gaza sprengte. Wer konnte ahnen, dass dahinter ein Komplott der DOO steckte, das es möglich machte, auch die bis dahin liberale Türkei auf die Seite derer zu zwingen, die den Druck auf Israel verstärkten. Die Hinrichtung Osama bin Ladens, die arabischen Revolutionen von Nordafrika bis auf die arabische Halbinsel, waren eine willkommene Kulisse, um die Konzentration der Weltöffentlichkeit genügend abzulenken. Einzig die Japanische Tragödie um den Tsunami 2011 und die Reaktorkatastrophe von Fukushima waren nicht geplant - wenn auch vortrefflich in den Augen der DOO. Probleme bereitete die iranische Atomforschung, der es nach langen Jahren geheimen Geschachers gelungen  war, sowohl Technologie als auch waffenfähiges Material zu konzentrieren. Die Drohgebärden Israels hingegen, die aus purem Existenzialismus mit Abschreckung drohen mussten, wurden immer stärker mit einem diffusen Gemisch aus latentem Antisemitismus und lauter werdender Israelkritik kommentiert, sodass die eine oder andere Karriere abrupt beendet werden musste. Das Fortschreiten des politischen Islamismus und die Unfähigkeit des Westens die Gesetze der Toleranz gegen die Intoleranten zu verteidigen, rundeten akuten Handlungsbedarf ab, wollte man verhindern, dass der Konflikt in Vorderasien auf den Straßen Europas ausgetragen werden würde. 

 

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